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Zimt: Abnehmhilfe oder alles Quatsch?

Eigentlich dachte ich das Thema Zimt und Abnehmen wäre schon längst „durch“ – bis ich diesen Sommer auf einem Kongress in Peking von einer Chinesin angesprochen wurde: was ich denn von dem neuen Trend zum Abnehmen halten würde. Man solle morgens ein Gemisch aus Zitrone, Honig und Zimt zu sich nehmen. Wobei der Zimt die wichtige Zutat wäre. Es würde den Stoffwechsel ankurbeln. Meine Antwort begann wie so oft mit: „Kommt drauf an …“ 🙂 Auch zurück in Deutschland ist mir dieser angebliche Trick in Frauenzeitschriften und Blogs immer wieder über den Weg gelaufen.
Dieser kleine Schwenker über den „Zaubertrunk“ ist also mein Aufhänger doch nochmal auf das Thema Zimt zurück zu kommen.

Das Gewürz Zimt ist ein wahrer Allrounder, ob beim Backen, im Smoothie oder im Kokos-Curry. Es bringt immer einen leckeren, leicht orientalischen Geschmack mit ins Spiel. Auch im Fitness-Bereich „pimpt“ es so manche etwas fade schmeckende Speise auf. Bei Leuten, die Abnehmen wollen, ist es ebenfalls beliebt, denn es soll helfen, die Pölsterchen zu schmelzen. Soviel schon mal vorweg: ja, das braune Zauberpulver kann in bestimmten Konstellationen tatsächlich beim Abnehmen helfen. Aber mit einer kleinen Prise im Kaffee ist das Ganze nicht getan.

Hintergrund

Hier kommt einmal wieder ein bisschen Hintergrund-Wissen, für die, die es etwas genauer wissen möchten. Wer Zimt nur als kleinen „Body-Hack“ anwenden möchte, kann gerne zu unserer Anwendungsempfehlung springen.

Eine der Hauptkomponenten des Gewürzes ist das Zimtaldehyd, es ist der Träger des typischen Zimtgeschmacks, darüber hinaus wirkt es antimikrobiell und anregend auf die Verdauungssäfte.
Ein weiterer Stoff, der geschmacklich beiträgt, ist der Pflanzenstoff Cumarin, dieser ist allerdings in hohen Dosen toxisch – dazu später mehr.

Die Wissenschaft ist sich nach wie vor nicht sicher, welche verschiedenen Stoffe dazu beitragen, dass Zimt die Insulinsensitivität steigert, den Blutzucker senkt und verschiedene Stoffwechsel-Marker verbessert (LDL-Cholesterin, Triglyceride, Hba1c).
Zum einen scheinen verschiedene Komponenten Verdauungsenzyme zu blockieren, die zu einer verzögerten Verdauung und einem langsameren Ansteigen des Blutzuckerspiegels führen.
Eine weitere wirksame potentielle Komponente ist ein Polyphenol namens MHCP (methylhydroxy chalcone polymer). Es wirkt insulinähnlich und stoppt somit die Prozesse im Körper, die weiteren Blutzucker produzieren. Wird es bei Diabetikern in Kombination mit Insulin angewendet, ist dieses effektiver und kann in der Menge reduziert werden.

Anwendung & Vorsicht

Damit der Zimt und seine Komponenten ihre volle Wirkung entfalten können, reicht leider keine kleine Prise auf dem Kaffee oder im Smoothie – da müssen größere Geschütze aufgefahren werden. Genauer gesagt zwischen 1 und 6 Gramm, je nachdem wieviel Benefit man sich erwünscht.

Wer plant diese Mengen zu sich zu nehmen, um die Vorteile des ältesten Gewürzes der Welt auszunutzen, muss zwingend auf den oben genannten Cumarin-Wert acht geben.
Cumarin ist in hohen Dosen lebertoxisch. Dieser Gefahr kann man sehr einfach entgehen. Die verschiedenen Zimt-Sorten haben unterschiedliche Gehälter des sekundären Pflanzenstoffes. Während der günstigere Cassia-Zimt hohe Mengen des potentiellen Giftes besitzt, enthält Ceylon-Zimt eine deutlich kleinere Menge. Der Grenzwert wird bei oben genannter Empfehlung hier nicht überschritten.

Eine kleine Randbemerkung betrifft die Kleinsten unter uns. Wer in der Weihnachtsbäckerei Cassia-Zimt verwendet, sollte aufpassen, wenn Kinder mit ihrem geringeren Körper-Gewicht die Leckereien essen, denn in vielen Rezepten steckt eine erhebliche Menge an Zimt und der sichere Cumarin-Wert kann dabei überschritten werden.

Der Wundertrunk

Um nun auf das magische Gebräu zurück zu kommen. Ja, alle Komponenten haben definitiv ihren Nutzen für die Gesundheit: Zimt fördert die Insulinsensitivität (wenn in ausreichenden Dosen im Drink), Honig ist reich an Mineralstoffen, die grundsätzlich gut für den Körper sind und Zitronenwasser am Morgen wirkt leicht entwässernd und kann helfen, die Abfallstoffe der Nacht etwas leichter auszuschwämmen.

Damit bei einem gesunden Menschen die positive Eigenschaften des Trunks in einer Abnehmphase zum Tragen kommen, müssen definitiv die wichtigen Komponenten, die Voraussetzung zum Abnehmen sind, stimmen – z.B. Kalorienbilanz, Bewegung, Hormonstatus, Nahrungsmittelauswahl, Stresslevel und und und.

Also nein … Ein Wundertrunk ist es nicht – gesundheitsförderlich aber durchaus.


Quellen

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/14709014

J Agric Food Chem. 2004 Jan 14;52(1):65-70.
Isolation and characterization of polyphenol type-A polymers from cinnamon with insulin-like biological activity.

Anderson RA1, Broadhurst CL, Polansky MM, Schmidt WF, Khan A, Flanagan VP, Schoene NW, Graves DJ.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20024932

Mol Nutr Food Res. 2010 Feb;54(2):228-39. doi: 10.1002/mnfr.200900281.
Toxicology and risk assessment of coumarin: focus on human data.

Abraham K1, Wöhrlin F, Lindtner O, Heinemeyer G, Lampen A.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11506060″>https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11506060

J Am Coll Nutr. 2001 Aug;20(4):327-36.
A hydroxychalcone derived from cinnamon functions as a mimetic for insulin in 3T3-L1 adipocytes.

Jarvill-Taylor KJ1, Anderson RA, Graves DJ.

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